Bruno Schley Blicke eines Unbekannten auf Münster und Stadt

 Freiburg zwischen 1912 bis 1967
2020

Das Karl Rahner Haus zeigt erstmals das umfangreiche Werk des Freiburger Graphikers und Malers Bruno Schley 
 
 
Schley, Bruno; Seiltänzer bei Nacht am Münster, 1917.
 
Nachdem die Vernissage drei Stunden vor der Eröffnung wegen des Lookdowns abgesagt werden musste und die Ausstellung bis auf weiteres nicht zu sehen ist, hat Uli Führe ein zweiteiliges Video über Bruno Schley erarbeitet. Das Bildmaterial ist bewusst so gewählt, dass keine Exponate aus der Ausstellung verwendet werden. Wir hoffen, auf diesem Wege die Bedeutung des Schleyschen Werkes sichtbar zu machen und trotzdem noch für die Ausstellung ein Überraschungsmoment zu bewahren.

BRUNO SCHLEY – LEBEN UND WERK

Videos von Uli Führe
 
BRUNO SCHLEY LEBEN UND WERK I
 
BRUNO SCHLEY LEBEN UND WERK II
 
 

INFORMATIONEN ZUM KÜNSTLER

Bruno Schley muss vielen Freiburgern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt gewesen sein, denn er war als Werbegrafiker in Freiburg überall präsent. Dass seine Entwürfe für Ganter, Möbel-Dietler, Bally und viele andere, ebenso wie seine Gestaltung der Zeitschrift des Münsterbauvereins oder seine Deckblatt-Entwürfe für die unterschiedlichsten Verlage auf einem immensen grafischen und malerischen Schaffen aufbauten, das blieb den meisten bis heute verborgen, obwohl das Augustinermuseum 1969 eine ganze Reihe von Zeichnungen ankaufte.
Bruno Schley ist mit Bleistift, Kreide und Pinsel sein Leben lang durch Freiburg und seine Umgebung gestreift. Dabei hat er viele prägnante Blicke im Münster und auf das Münster im Meer der Gassen und Häuser vor den großen Zerstörungen des 2. Weltkriegs mit dokumentarischer Genauigkeit festgehalten. Auf dieser Basis hat er 1920 ein Buch mit 36 farbigen Miniaturen zum 800-jährigen Jubiläum Freiburgs erstellt. Darin werden nicht nur repräsentative Gebäude gezeigt, sondern auch die Menschen in der Stadt: Passanten vor dem Schwabentor, Freiburger, die ins Theater oder in die gegenüberliegende Synagoge gehen, Marktgänger auf dem Münsterplatz, Lesende.
 
Das Werk dieses weitgehend Vergessenen möchten wir anlässlich der 900 Jahrfeier Freiburgs vorstellen und mit einem Katalog würdigen.
 
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von Dr. Hans-Dieter Fronz, Dr. Maria Jakobs und Dr. Antje Lechleiter erschienen, der von Jan Blaß und Uli Führe mit dem modo Verlag zusammen erarbeitet und von der Erzbischof Hermann Stiftung großzügig gefördert wurde.
Der Katalog kann nur unter http://www.ulifuehre.de/ bestellt oder in den Freiburger Buchhandlungen Rombach, Bertholdstraße 10, und Schwarz, Günterstalstraße 44, sowie in der Buchhandlung Steinweg in Kirchzarten-Burg (Buchladen in der Rainhof Scheune) erworben werden.
 
Die Einladung zur geplanten Vernissage finden Sie hier.
Bitte beachten Sie:
Führungen mit den Kuratoren der Ausstellung sind auf Anfrage möglich:
Jan Blaß (0170 7603493)
Uli Führe (07661 3030)
 
Anfahrt:
Karl Rahner Haus, Habsburgerstraße 107, 79104 Freiburg
Straßenbahnlinie 4, Haltestelle Tennenbacherstaße

Vita:

Schley, Bruno: Christus gefesselt mit Wächter, 40er Jahre.
Der gebürtige Rastätter Bruno Schley, der ab 1914 für eine umfassende drucktechnische Ausbildung zu Poppen&Ortmann nach Freiburg kam, hat zusätzlich zu den Darstellungen der Stadt viele weitere Themenbereiche bearbeitet. Zum Beispiel hat er zu vielen Berufsgruppen Studien angefertigt, besucht Gerichtsverhandlungen, geht in Krankenhäuser und zeigt typische Szenen aus dem Berufsleben der Ärzte, der Drucker, der Juristen und anderer.
 
Mit Beginn der 40er Jahre setzt ein umfangreicher Zyklus von Bildmeditationen ein, die das Leiden Christi umkreisen. Kurz darauf treffen die Verheerungen des 2. Weltkriegs Schley selbst und seine Familie schwer. Das Haus in der Reischstraße wird bei einem der letzten Luftangriffe 1945 vollständig zerstört, die Eheleute Schley werden mit ihrer Tochter im Keller verschüttet und überleben nur knapp. Der alte Friedhof taucht erneut in seinen Bildern auf, wie bereits während des 1. Weltkriegs. Ebenso zeichnet er die zerstörte Stadt und bringt Ängste im Zusammenhang mit der Wiederbewaffnung und der atomaren Rüstung ins Bild. Außerdem geht er jahrelang jeden Sonntag in den Münstergottesdienst, um diesen als Messdiener mitzugestalten und intensiviert seine Bildmeditationen über religiöse und existentielle Themen in großformatigen Kreidezeichnungen.