Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland – Arbeitshilfen Nr. 348 der Deutschen Bischofskonferenz

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“ (NA 3) Mit dem Konzilsdokument Nostra aetate zu Beginn des Geleitworts knüpft die neue Arbeitshilfe an die seit 60 Jahren währende Tradition des interreligiösen Dialogs an, die auf einer fundamentalen Wertschätzung von Muslimen und Musliminnen basiert.

Quelle: Deutsche Bischofskonferenz

Im Februar 2026 ist unter Bischof Dr. Bertram Meier, dem Vorsitzenden der Kommission Weltkirche und der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz eine neue umfangreiche Arbeitshilfe zu Christlich-muslimischen Beziehungen in Deutschland veröffentlicht worden. Nach dreijähriger Arbeit einer ausgewählten Expertengruppe unter der Leitung des Islamwissenschaftlers Dr. Alexander Kalbarczyk stellt dieses Dokument eine Überarbeitung und zugleich Neufassung der Arbeitshilfe Christen und Muslime in Deutschland aus dem Jahr 2003 dar.
 
Als Zielgruppe nennt die Arbeitshilfe neben Multiplikator*innen des interreligiösen Dialogs alle, die mit Fragen der christlich-muslimischen Begegnung zu tun haben (z. B. in Gemeinden, Wohlfahrtsverbänden oder Bildungseinrichtungen) oder sich dafür interessieren, also auch das pädagogische Fachpersonal  und die Religionslehrkräfte, die im schulischen Kontext oder Elementarbereich diesen Dialog pflegen.
 
Der neue Titel ist zugleich Programm: Mit dem Begriff Beziehungen wird verdeutlicht, dass der interreligiöse Dialog letztlich von zwischenmenschlichen Beziehungen getragen wird.
 
Der Islam ist in Deutschland nach dem Christentum die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Vielerorts konnten gute Dialogbeziehungen zwischen Christ*innen und Muslim*innen wachsen. In den letzten Jahren hat sich das muslimische Leben in Deutschland allerdings sehr stark ausdifferenziert und weiterentwickelt, was Folgen für den interreligiösen Dialog hat und die neue Arbeitshilfe erforderlich machte.
 
Auch der starke Fokus, den Papst Franziskus auf die christlich-muslimische Begegnung legte, hat Auswirkungen auf das Dialoggeschehen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund vermittelt die neue Arbeitshilfe grundlegendes Wissen und beleuchtet die spezifischen Gegebenheiten des deutschen Kontextes. 
 
Als übersichtliches Kompendium (S. 12) angelegt, kann das Dokument wie ein Nachschlagewerk gelesen werden und gibt zu einzelnen thematischen Schwerpunkten fundierte Informationen. Für pädagogisches Fachpersonal und Religionslehrkräfte besonders interessant sind z.B. das Kapitel zum Thema Multireligiöse Feiern oder das Kapitel über die Gemeinsame Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen. In jedem Fall lohnt es sich, in dem Kompendium des Dialogs zu stöbern und sein eigenes Wissen und seine Haltung zu grundlegenden Fragen des Dialogs zwischen Muslim*innen und Christ*innen dabei aufzufrischen.
 
Die Arbeitshilfe rückt sowohl das Verbindende als auch das Unterscheidende in den Fokus. Auch werden einige Orientierungen für eine ausgewogene katholische Positionierung im öffentlichen Islamdiskurs formuliert.
 
Eine Leitperspektive des Dokuments lautet: Gelingende Dialogbeziehungen zwischen Christ*innen und Muslim*innen haben nicht nur einen hohen Wert für den gesellschaftlichen Frieden, sondern können zugleich auch zur Vertiefung des eigenen Glaubens beitragen.
 
Die Arbeitshilfe ist geprägt von einer differenzierten Wahrnehmung des Islam. Sie warnt davor, Muslim*innen anhand pauschaler Zuschreibungen abzuwerten und auszugrenzen. Gleichzeitig plädiert sie  aber auch dafür, die Gefahren eines religiös begründeten Extremismus ernst zu nehmen und steht auf der Seite von den Menschen, die aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Diskriminierung erfahren.
 
Die Arbeitshilfe kann auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz als Printversion erworben werden oder hier heruntergeladen werden.