
Quelle: Weissbooks
Nicola Davies
Der Tag, an dem der Krieg kam
Illustriert von Rebecca Cobb
Berlin: Weissbooks 2022
Ein Stuhl ist manchmal mehr als ein Stuhl.
Die berührende poetische Erzählung von Nicola Davies illustriert von Rebecca Cobb beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich 2016 ereignet hat, als einem Flüchtlingskind der Zugang zur Schule verwehrt wurde mit dem Hinweis auf einen fehlenden Stuhl.
Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens schildert das Buch die gefährliche und zugleich hoffnungsvolle Flucht, bei der das Kind durch den Krieg alles verloren hat. Endlich an einem sicheren Ort angekommen, wird sie allerdings in einer Schule schroff abgewiesen.
Das Mädchen realisiert, dass der Krieg auch am vermeintlich friedvollen Ort spürbar ist und zieht sich zurück.
Die Geste, mit der ein kleiner Junge auf sie zugeht und ihr einen Stuhl anbietet, ist voller Empathie und schenkt Hoffnung. Das Buch schließt mit der Aussage, dass die herbeigebrachten Stühle der Kinder den Krieg mit jedem Schritt zurückdrängten.
Ein Bilderbuch, das in jeder Grundschule bereitliegen sollte, gerade dann, wenn Flüchtlingskinder aufgenommen werden oder wenn Klassenkonstellationen sich schwer tun mit dem Anderssein von Kindern mit traumatisierenden Fluchterfahrungen.
Es regt dazu an, mit den Schüler*innen über den Krieg und über die Erfahrungen der geflüchteten Kinder zu sprechen. Es regt dazu an, nachzuempfinden, dass diese Kriegserfahrungen die Kinder nachhaltig beschäftigen, denn so denkt die Protagonistin in dem Bilderbuch: Der Krieg war nicht weg. „Er war unter meiner Haut, hinter meinen Augen und in meinen Träumen.“
Mit einer Schulklasse über diesen Satz nachzudenken, zu überlegen: Kennst du das, dass dich schlimme Gedanken nicht loslassen?, schafft Verständnis und eine mitfühlende Haltung, die eine Willkommenskultur in einer Klasse wachsen lassen kann. Es geht nicht um Mitleid, sondern um Offenheit und die Bereitschaft, den neuen Schüler oder die neue Schülerin aufzunehmen.
Lesen Sie das Buch Ihrer Klasse oder Religionsgruppe vorbereitend vor, damit sie sich auf den oder die neue*r Schüler*in mit Fluchterfahrung besser einstellen kann. Richten Sie anschließend mit den Kindern den Platz und entscheiden Sie gemeinsam, wer neben dem neuen Kind sitzen wird.
Wenn dabei der Platz im Klassenraum im engen Sinne des Wortes für den oder die neue Schülerin gerichtet wird, wird ihm oder ihr auch im übertragenen Sinn symbolisch der Stuhl gereicht.
Das Buch hat die Autorin allen Kindern gewidmet, „die verlassen und allein sind und denjenigen, die ihnen helfen“. Unterstützen wir als Lehrkräfte diese beiden Gruppen von Kindern mit der Lektüre dieses wunderbewirkenden, wundervollen Buches.