U3: Religionspädagogik für Kinder unter drei Jahren
Der Ausbau der Kita-Plätze für Kinder in den ersten drei Lebensjahren (U3) schreitet immer weiter voran. Der Buchmarkt stellt sich auf diese Entwicklung ein. Im Bereich der religiösen Bildung sind bereits einige Publikationen erschienen, die Erzieherinnen und Erzieher in der religionspädagogischen Arbeit für die Jüngsten unterstützen. Hier finden Sie eine Übersicht über wichtige Veröffentlichungen:
Grundlageninformationen zu „Kinder in den ersten drei Jahren - Beziehung, Bildung, Erziehung & Betreuung außer Haus" von der „Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen".
Religiöse Rituale für U3

Im Buch gibt sie zunächst Impulse für „Ereigniszeiten“ im Ablauf eines Krippentages (Morgenkreis, Wickelspiele, Mahlzeiten, Schlaf- und Aufwachzeiten, Verabschieden), denn für jüngere Kinder gliedert sich ein Tag nicht nach Zeitstunden, sondern nach einzelnen Ereignissen, die sie erleben. Monika Arnold bringt hier auch biblische Erzählungen in Kniereiterspiele und elementarisiert sie für die Jüngsten nach dem grundlegenden Erleben, das in den Geschichten angesprochen wird. In der alttestamentlichen Erzählung von der Berufung des Davids zeigt sich z.B., dass auch schon den Jüngsten große Aufgaben zugetraut und übertragen werden.
Es folgen Rituale zu biografischen Themen und Ereignissen wie Körpererfahrung, die Bedeutung des eigenen Namens; zur Geburt eines Geschwisterkindes oder zum Abschied aus der Krippengruppe. Im drittenTeil geht es um Rituale zu Festen und Feiern im Jahreskreis: für die Advents- und Weihnachtszeit; die Osterzeit; die Pfingstzeit und zur Schöpfung im Jahreslauf.
Die Rituale enthalten häufig Lieder, Körperwahrnehmungen und leben auch davon, dass sich die pädagogische Fachkraft jedem Kind achtsam zuwendet. Der Autorin gelingt es, das Erleben der Kinder im Licht der Frohen Botschaft der Bibel zu sehen und kindgemäß zu deuten. Hier werden die elementaren Anregungen aus dem Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ aus dem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in Baden-Württembergischen Kindergärten“ umgesetzt. Dieses Buch ist für Erzieherinnen und Erzieher genauso wie für Kinder in jeder Krippe, Kita und jedem Kindergarten mit Kindern unter drei Jahren ein Gewinn.
(IRP-Referentin für Elementarpädagogik Heike Helmchen-Menke)
Du bist ein Schatz. Ganzheitliche Gestaltungen für Krippe, Kita und Eltern-Kind-Gruppe (2016)
Nun ist eine weitere praxisnahe Publikation erschienen. Auf der Grundlage der vergriffenen Arbeitshilfe „Welch ein Glück, mit Kindern zu leben“ hat die Autorin Margot Eder, Fortbildungsreferentin und Leiterin des Fachbereichs Spirituelle Begleitung für das pädagogische Fachpersonal in der Erzdiözese München/Freising, religionspädagogische Einheiten für den U3 Bereich bereit gestellt. Die Einheiten sind mittlerweile von mehr als 250 Fachkräften erprobt und immer weiterentwickelt worden. Grundlage sind Alltagserfahrungen von Kleinkindern, die mit dem pädagogischen Konzept der ganzheitlich sinnenorientierte Religionspädagogik aufgenommen werden. Die Autorin gibt zunächst einen kompakten Einblick in diese Grundlagen, um dann die über dreißig Einheiten vorzustellen. Diese in Einrichtungen genau so übernommen oder als Ideenpool variiert werden. In den Einheiten fällt immer wieder die Zuwendung zum Kind auf der Basis des christlichen Menschenbildes auf. Religiöse Bildung wird hier im Rhythmus der Jahreszeiten in den pädagogischen Alltag verankert. Impulsfragen für die Erzieherinnen und Erzieher zu Beginn jeder Einheit motivieren dazu, im Team die pädagogischen und religionspädagogischen Schritte zu bedenken.
In Anlehnung an den Buchtitel des vergriffenen Klassikers lässt sich sagen „Welch ein Glück, dass dieser Zugang zur Arbeit mit Kindern in den ersten Lebensjahren wieder erhältlich ist“. Für alle Kinderkrippen, Kitas und Kindergärten zu empfehlen.
Mehr Infos auf der Seite des RPA-Verlags:
Den Kindern Wurzeln geben. Religionspädagogisches Arbeiten mit Krippenkindern (2016)
Ein weiteres Fachbuch für die religiöse Bildung in Krippen haben zwei Dozentinnen an Fachakademien für Sozialpädagogik, Julia Gehrig und Melanie Spranger, vorgelegt. Auch sie legen im ersten Teil des Buches die Grundzüge der religionspädagogischen Praxis nach Franz Kett dar und beziehen sie auf die Lebensphase und den Entwicklungsstand von Kindern in den ersten drei Lebensjahren. Die Praxiseinehiten orientieren sich an Symbolen. Sie werden zunächst in ihrem religiösen Bezug durch Verknüpfung mit biblischen Erzählungen und Gebeten erschlossen und dann mit alltäglichem Erleben der der Kinder in Beziehung gesetzt. Die Einheiten enthalten immer Körpererfahrungsübungen und lassen ein Symbol z. B. durch Spielszenen und entstehenden Tisch- oder Bodenbilder für Kinder sinnenhaft erlebbar werden. Für Krippen und Kitas eine gute Unterstützung. Aufgrund der Didaktik der Einheiten (z.B. die Aufteilung der Bausteine in aufeinanderfolgende Phasen) eignet sich das Buch auch hervorragend für die Ausbildung an Fachakademien und Fachschulen für Sozialpädagogik.
Mehr Infos auf der Seite des RPA-Verlags:
https://rpa-verlag.de/denkindernwurzelngeben.html
Mit den Kleinsten Gott entdecken (Maike Lauther-Pohl) zur Religionspädagogik mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren (U3) für Krippe und Kindergarten.
Die Autorin Maike Lauther-Pohl ist Theologische Referentin für Religionspädagogik im Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen (Schleswig-Holstein). Sie hat mit dem Buch „Mit den Kleinsten Gott entdecken“ (2014) ein wunderbares Praxisbuch vorgelegt. Sie zeigt, dass heutige Eltern „religiöse Bildungspartnerschaften“ suchen, da sich mittlerweile rumspricht, dass Kinder für die ganzheitliche Entwicklung auch kompetente Ansprechpartner für ihre religiöse Entwicklung benötigen. Ein Kapitel zeigt die wichtigsten Facetten frühkindlicher religiöser Entwicklung und welch wichtigen Beitrag sie zur Persönlichkeitsentwicklung des Menschen leistet. Für pädagogische Fachkräfte ist das Kapitel zur Bedeutung der Bezugsperson erhellend und ermutigend. Die Autorin stellt die wichtigsten Aspekte bei der praktischen Umsetzung von Religionspädagogik mit Krippenkindern vor (Symbol, Musik, Singen, Rituale, Wiederholungen, Einfachheit, Kürze, Beteiligung, Mitgestaltung, Freiwilligkeit). Dabei benennt sie auch die Chancen des interreligiösen Miteinanders in der Krippe.Im zweiten Teil des Buches stellt Maike Lauther-Pohl Praxismodelle vor. Dabei reichen die biblischen Impulse über das eigentliche Angebot weit hinaus – zum Beispiel in die Freispielzeit oder die Elternarbeit. Besonders hilfreich für pädagogische Fachkräfte sind nicht nur die kreativen Umsetzungsideen zu den biblischen Erzählungen aus dem Alten und dem Neuen Testament der Bibel, sondern auch die kurzen Einführungen unter der Überschrift „Gut zu wissen“. Damit können Erzieherinnen und Erzieher ihre eigene religiöse Kompetenz auch in Bezug auf das Glaubenswissen weiterentwickeln. Der gesamte Inhalt des Buches, sowie eine Lied- und Materialliste befinden sich auf der mitgelieferten CD-ROM. Das Buch ist ein wahrer Schatz für das religiöse Lernen von Kindern in den ersten drei Lebensjahren (und auch darüber hinaus!) und sollte in jeder Einrichtung vorhanden sein. Nähere Informationen auf der Homepage des Gütersloher Verlagshauses:
Schlüssel zum Leben. Religiöse Erfahrungen in der Krabbelstube“ DVD mit DVD-ROM Zusatzmaterial
Mit der DVD wird Krippenerzieher/innen, Lehrkräften an Fachschulen für Sozialpädagogik und Referent/innen in der Fort- und Weiterbildung von Erzieherinnen gutes Material an die Hand gegeben, um einen Einblick in den pädagogischen Alltag einer Tageseinrichtung für Kinder in den ersten drei Lebensjahren zu gewähren. Die DVD eignet sich auch, um sie auf einem Elternabend für Eltern von Kleinstkindern vorzuführen oder in einer Teamsitzung einzusetzen, wenn die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren in einer Einrichtung ansteht.
Aus dem Informationsteil der DVD-ROM:
Ausleihe und Download der DVD „Schlüssel zum Leben"
U3: Glauben darf klein beginnen: Heft 4/2012 RPP
Die Ausgabe 4/2012 der „Religionspädagogischen Praxis" (RPP 4/2012) mit dem Titel „Der Glaube darf klein beginnen" bietet eine bemerkenswerte Einführung in die religiöse Elementarpädagogik in den ersten drei Lebensjahren. Der Autor, Thomas Brunnhuber, ist Religionspädagoge und Fachberater für Religionspädagogik im Referat Kindertagesstätten des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg. Brunnhuber legt dar, dass die religiöse Bildung im U3-Bereich nicht einfach eine Vereinfachung der religiösen Bildung für ältere Kinder braucht. Vielmehr geht es um die religiöse Sicht der menschlichen Grundbedürfnisse von Kindern in den ersten drei Lebensjahren; um die Quellen religiöser Empfindung im Kleinstkindalter; die Entwicklung des Kindes als Glaubensgrundlage sowie um das symbolische Spiel bei den Jüngsten. Schließlich geben zwei Fachfrauen der Frühpädagogik, Frau Irmengard Kindl und Frau Heidi Simon Stellung zur Krippenbetreuung und sicheren Bindungen im U3-Bereich. Ein empfehlenswertes Heft für alle, die mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren arbeiten, sowie für Verantwortliche und Lehrende die in der Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern tätig sind.
Infos zur Zeitschriftenreihe RPP und zum RPA-Verlag:
https://rpa-verlag.de/rpp-praxishefte/glaube-darf-klein-beginnen+rpp_type-Heft
Buchtipp: Religiöses Erleben von Anfang an
Im Verlag Don Bosco das Buch "Religiöses Erleben von Anfang an. Rituale, Spiele und Lieder für Krippe, Kita und Eltern-Kind-Gruppen" (2011) erschienen. Die beiden Autorinnen, Katharina Bäcker-Braun und Monika Arnold, bieten auf der Grundlage der neueren Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie und der Hirnforschung hilfreiche Hinweise, wie Kinder von Anfang an christlich-religiöse Erfahrungen machen können. Die vielen Anregungen sind praxiserprobt und orientieren sich an Grunderfahrungen menschlichen Lebens: Bindungen aufbauen, Vertrauen entwickeln, Geborgenheit erleben, Achtsamkeit lernen und die Sinne öffnen für Gott. Die Lieder der beiden Autorinnen werden auf einer beigelegten CD mitgeliefert. Das Buch bietet eine solide Grundlage für religionspädagogisches Handeln mit Kleinstkindern und eine Fülle an konkreten Impulsen. Es ist sehr zu empfehlen für den Einsatz in Krippen und Kindertageseinrichtungen mit U3-Gruppen.
Näheres auf der Homepage des Verlages hier:
https://www.donbosco-medien.de/religioeses-erleben-von-anfang-an-m-audio-cd/t-1/400
Gott in der Krippe
Gott in der Krippe. Religiöse Bildung von Anfang an. Arbeitshilfe für die religionspädagogische Arbeit in der Krippe
Hrsg. vom Diakonischen Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V. und Pädagogische Akademie Elisabethenstift und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau – Zentrum Bildung
Hannover 2008
Theologisieren mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren
Ulrike Labhuhn
Der Neugier der Kleinsten Raum geben. Kinder fragen nach Gott und der Welt. Reihe „Lernprozesse 0-3 Jahre“
Troisdorf 2010
Die Reihe „Kleine Kinder feiern Feste“ von Monika Lehner für Kinder in den ersten drei Lebensjahren
Bisher zu den christlichen Festen erschienen:
St. Martin feiern mit Ein- bis Dreijährigen (München 2011)
Im Verlag Don Bosco ist eine neue Reihe zur religiösen Bildung und Erziehung von Kindern unter drei Jahren eröffnet worden: „Kleine Kinder feiern Feste". Sie wendet sich an Tätige in Kita und Eltern-Kind Programmen. Unter den ersten Bänden ist „St. Marin feiern mit Ein- bis Dreijährigen" (München 2011) von der Krippenerzieherin und Fortbildnerin Monika Lehner. Dem Buch merkt man die langjährige Erfahrung der Autorin in der Krippe an. Sie geht bei der Festgestaltung von den Erfahrungsmöglichkeiten der kleinen Kinder aus. In dem Buch finden sich Informationen zur St. Martinslegende ebenso wie grundlegende Gedanken zur Festkultur mit Kindern unter drei Jahren, zu religiös-elementaren Zugängen zum Martinsfest und zum Umgang mit Bilderbüchern. Vor diesem Hintergrund werden die zahlreichen Anregungen zur kreativen Praxis vorgestellt: Raumdekoration, Bastelwerkstatt und Martinsbäckerei, Lieder und Fingerspiele, Gestaltung des St. Martins-Festes in der Krippe. Das Buch ist der gelungene Auftakt zur religionspädagogischen Reihe für Kinder in den ersten drei Lebensjahren. Mehr Informationen auf der Verlagsseite: hier
Advent und Weihnachten feiern mit Ein- bis Dreijährigen (München 2011)
Für die religionspädagogische Arbeit mit der Altersgruppe der Ein- bis Dreijährigen gibt es im Don Bosco Verlag die Reihe „Kleine Kinder feiern Feste". Der Band von Monika Lehner „Advent und Weihnachten feiern mit Ein- bis Dreijährigen" (München 2011) bietet praxiserprobte Einheiten: Adventsrituale, Geschichten, Lieder, einfache Bastelideen, Weihnachtsbäckerei sowie Reimen und Fingerspielen zur Weihnachtszeit. In der empfehlenswerten Reihe ein hilfreiches Buch.
Näheres beim Don Bosco Verlag: hier
Nikolaus feiern mit Ein- bis Dreijährigen (München 2011)
Das Fest des Heiligen Nikolauses gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligenfesten der Kirche. Das Fest des „Patrons der Kinder" wird in vielen Kindertageseinrichtungen gefeiert. Hilfen für die Vorbereitung des Nikolausfestes bieten zahlreiche Bücher, jetzt auch eines für den U3-Bereich. Die Krippenerzieherin und Fortbildnerin Monika Lehner hat mit „Nikolaus feiern mit Ein- bis Dreijährigen" (Verlag Don Bosco, München 2011) ein Buch vorgelegt, das bei der Festgestaltung die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellt und das christliche Brauchtum für die Jüngsten erlebbar macht. Nach demselben Konzept ist ebenfalls von Monika Lehner das Buch „Advent und Weihnachten feiern mit Ein- bis Dreijährigen" (Verlag Don Bosco, München 2011) erschienen
Ostern feiern mit Ein- bis Dreijährigen (München 2012)
Für Kinder in den ersten drei Lebensjahren eignet sich aus der Reihe „Kinder feiern Feste" der Band „Ostern feiern mit Ein- bis Dreijährigen" (München 2012). Monika Lehner zeigt eindrücklich, wie das christliche Osterbrauchtum auch für jüngere Kinder über die Sinne erschlossen werden kann. Nähere Infos: hier>>.
Informationen und Praxistipps zum Kirchenjahr für Kitas

In „Buchprofile. Medienempfehlungen für die Büchereiarbeit“ wird es besprochen:
Nach einem kurzen Blick auf die Struktur des Kirchenjahres stellen die Autoren die Feiertag und Bräuche des kirchlichen Festkreises nach einem einheitlichen Muster vor. Sie skizzieren das Wissen um die Feste, Symbole und Bräuche, fragen nach deren Bedeutung für das Leben der Erwachsenen, zeigen, wie das Verständnis der Kinder dafür geweckt werden kann und wie Familien mit Liedern, Gebeten, Gesprächen und Erzählungen gemeinsam feiern können. Eltern, Lehrer und Erzieherinnen, die die kirchlichen Festtage nicht achtlos vorübergehen lassen wollen , finden hier genügend theologisch fundierte und praktische Anregungen für ein sinnvolles gestalten dieser Tage. Für alle Bestände sehr empfohlen! Helmut Eggl
Mehr zum Buch auf der Homepage des Herder-Verlags: hier
Bilderbuch für Kinder unter drei Jahren: Die Geschichte von Ostern (2017)
Die biblische Ostererzählung ist für Kinder ab zwei Jahren in dem Buch "Die Geschichte von Ostern" aufbereitet. Hier wird auf fünf stabilen Pappdoppelseiten Elementares über Jesus erzählt: Jesus wurde von Gott zu den Menschen gesandt; Jesus liebte die Menschen und hatte Jünger; nicht alle wollten die Botschaft Jesu hören und annehmen; Jesus wurde gefangengenommen und starb; Gott schenkt Jesus neues Leben. Auch wenn der Text für die Jüngsten zu viele Informationen enthält, laden die Illustrationen von Carolin Görtler ein, um mit jüngeren Kindern die Ostergeschichte in einfacheren Worten zu erzählen. Nähere Infos:
https://www.herder.de/kinderbuecher-shop/die-geschichte-von-ostern-gebundene-ausgabe/c-30/p-3109/
Religiöse Angebote für Kinder in den ersten drei Lebensjahren
Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Einrichtungen der Familienbildung (Hrsg.)
Aufwachsen mit Gott. Religionspädagogische Bausteine für die Arbeit mit Eltern und Kindern bis drei Jahren
Düsseldorf 2008
Jesper Juul „Wem gehören unsere Kinder? Dem Staat, den Eltern oder sich selbst?" (Verlag Beltz, Weinheim 2012)
Der dänische Familientherapeut, Buchautor und Seminarleiter Jesper Juul ist in Deutschland ein vielgefragter Ansprechpartner in Fragen des Zusammenlebens und Arbeitens mit Kindern.
Er hat u.a. das internationale Netzwerk familylab (Familienwerkstatt) gegründet.
Anlässlich der Debatte um den Rechtsanspruch von Kindern unter drei Jahren auf einen Krippenplatz hat sich Jesper Juul mit einer Streitschrift zu Wort gemeldet. Dabei geht es Juul nicht um ein grundsätzliches Pro und Contra der außerfamiliären Kinderbetreuung von Kindern unter drei Jahren. Vielmehr ist das Buch ein Plädoyer für die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder bei der Diskussion um den Ausbau von Krippenplätzen. Juul, der studierter Religionspädagoge ist, spricht dabei auch den christlichen Werten eine wichtige Rolle zu: Christliche Werte tragen dazu bei, dass Kinder als vollwertige Menschen betrachtet werden. (Vgl. dazu das KNA-Interview von Andrea Janisch mit Jesper Juul: „Die Würde des Kindes respektieren. Pädagoge Jesper Juul fordert eine christliche Erziehungskultur“).
Jesper Juul formuliert in seinem Buch Bedenken wegen der Motivation zum Ausbau der Kleinkindbetreuung: „Um es gleich vorab zu sagen: Kinderkrippen wurden geschaffen, um die Bedürfnisse von Familien zu erfüllen, in denen beide Elternteile arbeiten wollen oder müssen, und sie dienen zugleich dem wachsenden Bedarf der Gesellschaft und der Wirtschaft an Erwerbstätigen. Sie wurden nicht eingerichtet, um die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen.“ (S. 5).
Für Juul sind bei der Frage des Ausbaus der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zwei Faktoren relevant: „Zum einen geht es um die Qualität der Kindertagesbetreuung. Und zum anderen um die Freiheit der Eltern, sich für das Modell zu entscheiden, von dem sie glauben, dass es für ihre Familie am geeignetsten ist.“ (S. 10).
Daher muss die Gesellschaft zum einen „sicherstellen, dass sie [die pädagogischen Fachkräfte] die erforderlichen Qualifikationen besitzen, ihrer Verantwortung auch gerecht zu werden.“ Er warnt davor, beim Ausbau der Kindertagesplätze Quantität vor Qualität zu setzten. Juul fordert eine moderne Ausbildung, die die Bedürfnisse von Kindern und auch die Kommunikationsfähigkeit mit Eltern in den Blick nimmt und eine bessere Bezahlung für pädagogische Fachkräfte (S. 23).
Zum anderen muss die Debatte um die außerfamiliäre Kinderbetreuung versachlicht werden. Zunächst hält Juul fest: „Die institutionalisierte Kinderbetreuung und Erziehung sind dem familiären Umfeld in keinster Weise überlegen! Die beiden sind – und so sollte es auch sein – sehr unterschiedlich“ (S. 24). Die Entscheidung über die Form der Kinderbetreuung innerhalb oder außerhalb der Familie sollte nicht der Staat treffen, sondern die Familien selbst. „Kinder sind alle ganz verschieden und Familien sind es auch. Deswegen sollten Eltern die freie Wahl haben, wenn es um die Entscheidung geht, was für die Null- bis Dreijährigen Kinder das Beste ist.“ (37).
Das Buch ist ein wichtiger Beitrag in der Diskussion um den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze für Kinder in den ersten drei Lebensjahren, da er die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt der Debatte rückt.
