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Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ im Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindergärten ist das Philosophieren und Theologisieren mit Kindern als Ziel festgehalten: „Kinder können in ihrem Philosophieren und Theologisieren über das Leben und die Welt verständnisvolle Partner finden“.
„Kinder entwickeln Vertrauen in das Leben auf der Basis lebensbejahender religiöser Grundüberzeugungen und werden in der Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft gestärkt“ (Ziel)
„Kinder können in ihrem Philosophieren und/oder Theologisieren über das Leben und die Welt verständnisvolle Partner finden.“ (Ziel)
In den konkreten Anregungen im Orientierungsplan für Bildung heißt es weiter:
„Kinder erleben unterschiedliche Weisen, nach Sinn zu fragen und Werte zu leben und kommunizieren darüber.“ (Ziel)
„Wie erfahren Kinder, dass Schwierigkeiten und Krisen bewältigt werden können?“ (A6)
„Wie erfahren die Kinder, dass es auf Fragen unterschiedliche – oder auch keine abschließenden – Antworten gibt?“ (B6)
„Wie regt der Kindergarten an, über Anfang, Ziel und Ende menschlichen Lebens zu philosophieren bzw. zu theologisieren?“ (B6)
„Wo finden die Kinder Unterstützung zum Ausdruck ihrer Gedanken zu philosophischen und religiösen Fragestellungen?“ (C6)
„Wie werden die Kinder ermutigt, Hilfe und Zuwendung gegenüber Schwächeren zu üben?“ (D6)
 
Um diese Ziele erfüllen zu können, gibt es fachliches Unterstützungsmaterial:
Theologisieren und Philosophieren mit Kindergartenkindern – IRP Arbeitshilfe
In der IRP Fachreihe „IRP Erleben & Erfahren. Sinn, Werte und Religion in Kindertageseinrichtungen“ beschäftigt sich die Ausgabe „Mit Kindern über Gott reden. Theologisieren im Elementarbereich“ ausdrücklich mit dem Philosophieren und Theologisieren mit Kindergartenkindern.
 
Die Autorinnen und Autoren des Heftes zeigen, auf welche Weise die Anregungen des Orientierungsplanes im Kindergartenalltag umgesetzt werden können: Was ist und was will Kindertheolgie; Was zeichnet Kinderspiritualität aus;  Wann ist im Kindergarten Zeit zum Theologisieren; Kann man mit muslimen Kindern theologisieren usw. Im Praxisteil gibt es Anregungen für eine Teamsitzung; Möglichkeiten spontaner theologischer Gespräche mit Kindern; Möglichkeiten interreligiösen Philosophierens zur Gottesfrage und es gibt ganz konrkete Entwürfe zum Theologisieren zur Identitätsfrage, zu einem religiösen Lied, und zu der Frage wohin die Toten gehen. In einem ausführlichen Buchtipp-Teil werden Bilderbücher vorgestellt, die zum Theologisieren anregen, ebenso Kurzfilme und Arbeitsbücher zum Themenkreis „Theologisieren im Elementarbereich/Kindergarten".
Autorinnen und Autoren: Alexandra Fritz, Heike Helmchen-Menke, Matthias Hugoth, Klaus Kießling, Sabine Pemsel-Maier, Aya Schneider u.a. Als Ziel im Orientierungsplan im Bildungsfeld „Sinn, Werte und Religion" wird formuliert: „Kinder können in ihrem Philosophieren und/oder Theologisieren über das Leben verständnisvolle Partner finden".
 
 
Franz Hübner, Purzelbäume für den lieben Gott (2019)
Unter den Tieren herrscht helle Aufregung als sich die Nachricht verbreitet, dass Gott der Erde einen Besuch abstatten will. Die Tiere wollen sich von ihrer besten Seite zeigen. „Ein jeder wollte etwas ganz Besonderes leisten, etwas Außergewöhnliches vorweisen, um Gott zu beeindrucken.“ So putzen sich alle heraus, üben besondere Kunststücke ein, tanzen und bauen. „Manche schämten sich, weil sie klein und unscheinbar waren, wie zum Beispiel die winzige Maus.“ Alle sind sehr geschäftig und niemand hört auf die Eule, die sich an dem Treiben nicht beteiligt und zur Stille rufen möchte. Am Abend sind die Tiere dann enttäuscht, weil Gott nicht gekommen ist und die ganze Aufregung umsonst war. Nur die Eule erkennt, was passiert ist: „Gott kommt nicht, denn er ist ja schon da“. „Der liebe Gott war doch nie weg.“ Und sie ergänzt: „er ist immer da, jetzt und immer und vor allem: in jedem von uns, in unseren Herzen. Wenn wir ganz still sind und in unser Herz hineinhören, dann spüren wir dort die Wärme des lieben Gottes.“ Gott lässt sich von lautem Brüllen, von Leistungen und Kunststücken nicht beeindrucken, „auch die Kleinen und Unscheinbaren hat der liebe Gott sehr, sehr lieb“, „wir können ihm auch Fragen stellen und ihm alles erzählen, was uns beschäftigt“. Und dann? „Alle saßen sie friedlich beieinander, und es war, als sei der liebe Gott – jetzt, in diesem Augenblick – wirklich da.“ Und so erinnern sie sich noch lange an den Tag, als der liebe Gott zu Besuch kam.
Das Buch eignet sich sehr gut, um mit Kindergartenkindern über die Frage nach Gott zu theologisieren. Besonders der Gedanke, dass die Zuwendung und Liebe Gottes gerade nicht an Leistung geknüpft ist, sondern jedem Lebewesen geschenkt wird, ist verständlich dargestellt. Auch ein Hinweis auf die Vorstellung des personalen Gottes, an den man sich mit seinen eigenen Fragen und Unsicherheiten wenden kann, kommt gut heraus.
Für die Umsetzung des Bildungsziels „Kinder können in ihrem Philosophieren und / oder Theologisieren über das Leben und die Welt verständnisvolle Partner finden“ im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ des Orientierungsplanes eignet sich das Buch.
Das Bilderbuch ist allen Einrichtungen sehr zu empfehlen.
Heike Helmchen-Menke, Referentin für Elementarpädagogik im Institut für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg
 
 
Mama, wie groß ist der Himmel? Von Elizabeth Liddle (2018)
 
Der kleine Junge Pip denkt über den Himmel nach, in dem Gott wohnt und in den wir kommen, wenn wir sterben. Der Junge sucht seine Antworten in bester philosophisch-theologischer Denkweise selbst. Seine Mutter begleitet die Überlegungen ihres Sohnes behutsam. Im Verlauf des Buches wird Pip älter, und dabei macht er die klassischen Entwicklungsschritte der kindlichen Vorstellungswelt durch, von ganz konkreten zu immer abstrakteren Bildern. Das Buch bietet für Kinder viele Impulse zum Selbst-Nachdenken über (religiöse) Fragen. Für pädagogische Fachkräfte bietet die Rolle der Mutter ein gutes Beispiel für den Umgang mit Kinderfragen, bei dem es darum geht, Kindern im Sinne der Ko-Konstruktion Impulse zum Weiterentwickeln ihrer Denkkonstrukte zu geben, statt ihnen einfach fertige Antworten auf ihre großen Fragen zu geben.
Das Buch ist eine Neuausgabe, des vor 10 Jahren erschienen Klassikers.
Referat Elementarpädagogik, Dipl. Theol. Heike Helmchen-Menke, Referentin für Elementarpädagogik
Nähere Infos beim Verlag:
Philosophieren mit Kita-Kindern
Das Portal:  „KiTaFachtexte“ ist eine Kooperation der Alice Salomon Hochschule, der FRÖBEL-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). Die drei Partner setzen sich für die weitere Professionalisierung in der frühpädagogischen Hochschulausbildung ein.
Der Beitrag über das Philosophieren mit Kindern wurde von Alexander Scheidt und Eva Stollreiter verfasst. Sie stellen das Philosophieren mit Kindern als einen integrativen Teil der pädagogischen Arbeit mit jüngeren Kindern in seinen Grundzügen vor.
Hierzu behandeln sie die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen des Philosophierens mit Kindern und zeichnen nach, wie gemeinsame Nachdenkgespräche in der Praxis gelingen können.
Diese Veröffentlichung unterstützt pädagogische Fachkräfte in Kitas das Ziel aus dem Orientierungsplan „Kinder können in ihrem Philosophieren und/oder Theologisieren über das Leben und die Welt verständnisvolle Partner finden“.
 Der Text steht zum kostenfreien Download auf dem Portal „Kita-Fachkräfte“ bereit: http://www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_ScheidtStollreiter_PHILOSOPHIEREN-2015.pdf
 
Rainer Oberthür: Soviel mehr als Sternenstaub (2018)
 

Quelle: Verlag Gabriel

Gott verlässt die nicht, die ihn suchen und nach ihm fragen – mit diesem Worten aus dem 9. Psalm des Alten Testamentes beginnt dieses ungewöhnliche Buch. Und die Suche beginnt mit dem Staunen über die Welt und der Frage woher die Welt kommt und wer sie hält und erhält. Dieser Suche und diesen Fragen nach Gott gibt der Aachener Religionspädagoge Rainer Oberthür reichlich Antwortversuche zum Nachdenken für Kinder und Erwachsene. Die Kinder in den Illustrationen des Buches schauen zum Himmel und staunen. Sie schauen in die Natur, sie erleben Stille, sie zweifeln und glauben, sie denken nach über die Liebe und auch über Werte, die unser Zusammenleben möglich machen. Sie musizieren, gehen zelten, wandern und erforschen die Unterwasserwelt. Auf keinem dieser Bilder ist Gott abgebildet, aber in allen lässt er sich entdecken. Für diese Entdeckungsreise hat Rainer Oberthür zu den eindrücklichen und farbintensiven Illustrationen von Marieke ten Berge Impulstexte verfasst und zu jedem Bild zusätzlich ein biblisches Zitat gesetzt, das den Betrachtern eine Art Wegweiser bei der Gottsuche sein kann. Auf einer Doppelseite beispielsweise, sind zwei ernst schauende Kinder zu sehen, die Samen pflanzen. Im dazugehörigen Text steht „Wer glaubt, kann aushalten, dass wir nicht alles verstehen“. Ergänzende ist das biblische Jesuswort aus dem Lukasevangelium beigestellt: „Selbst wenn euer Glaube so klein ist wie ein Senfkorn, ist alles möglich.“ Auf der Doppelseite „Gemeinsam ohne Angst“ zitiert Oberthür den Propheten Jesaja „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, bin ich bei dir.“ Unbedingt lesenswert ist auch das Nachwort für Eltern in dem der Autor schreibt: „Meine Worte umkreisen das Geheimnis von Zeigen und Verbergen, von Ergreifen und Begreifen, von Sehen ohne Verstehen.“ Die Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschen, beschäftigt die Menschheit schon von Beginn an. Kinder sind besonders empfänglich für diese Fragen, „denn sie leben mehr in Fragen als in Antworten“. Daher werden Kinder die Bilder und die Texte des Buches als Anregung zum Philosophieren und Theologisieren aufgreifen und so auch mit Erwachsenen, ihren Eltern, Erzieherinnen oder Lehrkräften in den Austausch über den Glauben, Gott und Christentum kommen können. Das geht auch schon mit Kindern im Kindergartenalter.
IRP Freiburg, Dipl. Theol. Heike Helmchen-Menke, Referentin für Elementarpädagogik
 
Über Gott nachdenken – Von Gott sprechen – 3 Bilderbuchkinos zu Gottesvorstellungen schon im Kindergartenalter: Der rote Faden – Gott, der Hund und ich – Ein Apfel für den lieben Gott.
 
Drei Bilderbücher, die zum Theologisieren über Gottesvorstellungen einladen, gibt es jetzt auch gesammelt auf einer DVD als Bilderbuchkino. Obwohl sich die DVD zunächst an Grundschulkinder wendet, sind die Bilderbücher bereits für Kinder im Kindergartenalter geeignet. Bezüge zum Bildungs- und Entwicklungsfeld "Sinn, Werte und Religion" habe ich weiter unten zusammengestellt:
  • Der rote Faden
 Wer mit Kindern ab ca. 5 Jahren darüber philosophieren möchte, was die Welt im Innersten zusammenhält, wird in dem Bilderbuch „Der rote Faden” von Manuela Monari und Brunella Baldi aus hervorragende Impulse finden.
Ein Junge macht sich Gedanken über die Welt. Er beschreibt aus seiner kindlichen Erfahrung heraus, dass es etwas gibt, dass alles verbindet und zusammenhält: Das Kind mit seiner Mutter, mit seinem Vater, mit anderen Menschen mit der belebten und der unbelebten Natur um ihn herum. Und er fragt sich selbst und vertraute Menschen, was dieser rote Faden eigentlich  ist, der die Welt im Innersten zusammenhält. Das Buch beschreibt die Gedankenreise des Jungen dazu.   Die Autorin, die als pädagogische Fachkraft mit Kinder gearbeitet hat, zeigt, dass sich eigenständiges Denken bei einem Kind entwickeln kann, wenn das Kind von verschiedenen Menschen Antworten bekommt und dann seine eigenen Entscheidungen für sein Weltbild treffen kann. Kinder können mit der Pluralität von Antworten gut zurechtkommen.    Der Junge in dem Buch nimmt die Antworten von Mutter, Vater und Lehrerin auf: Der rote Faden könnte die Liebe, die Vernunft oder die Wahrheit sein. Ein Freund sagt ihm, dass für ihn der rote Faden Gott ist. Die Antwort des Freundes ist für den Jungen intellektuell vielleicht nicht einzuholen („Ich weiß nicht, ob ich das ganz verstanden habe.”), aber er fühlt, dass dieser Faden da ist und dass er, wenn er ihn verliert, wieder danach greifen kann und alles wieder so ist, wie es sein muss. So vermittelt das Buch, dass es verschiedene Antworten gibt. Alle Antworten sind mögliche Erklärungen für die Frage nach dem Zusammenhalt. Die Antwort, dass Gott der rote Faden ist, vermittelt dem Jungen darüber hinaus Geborgenheit und Mut, weil letztlich alles von Gott gehalten ist. Diese Zusage wünscht der Junge auch andern Kindern.   Die Illustrationen von Brunella Baldi geben zusätzliche Impulse über den Text hinaus, die Kinder ab dem Vorschulalter in zum eigenen Denken anregen. „Der rote Faden“ ist ein modernes Buch, das zum Philosophieren ebenso wie zum Theologisieren mit Kindern ab dem Kindergartenalter einlädt.
  • Gott, der Hund und ich.
Willi Gmehling erzählt eine eigenwillige Geschichte, die Kinder ab vier Jahren einen Zugang zu Gottesvorstellungen ermöglicht: Ein Junge lernt auf dem Spielplatz einen Mann kennen. Der Fremde, den der Junge Gott nennt, schenkt dem Kind einen neuen Blick auf sich und sein Umfeld. Sie besuchen die Mutter im Supermarkt: Sie hat einen Beruf, der im Ansehen nicht sehr hoch eingestuft ist. Aber als der Fremde mit dem Jungen dorthin geht, sieht das Kind, was seine Mutter leistet. Und die Segenshandlung, die die Mutter für einen Augenblick zum Leuchten bringt, ist sehr berührend. Dann folgt der Besuch beim arbeitslosen Vater. Der Junge schämt sich für den Vater, gerade weil er arbeitslos ist. Der Fremde sieht aber nicht auf die Arbeitslosigkeit, sondern auf den Menschen. Die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Fremden für den Vater und dessen ebenfalls arbeitslosen Kollegen wird sehr genau beschrieben. Und diese Zuwendung verändert auch den Vater, der nun seinerseits etwas für den Sohn und für seine Frau tun möchte, nämlich ein Abendessen kochen. Aufgrund dieser und weiterer Erlebnisse, meint der Junge in dem Fremden, der wie ein Umherreisender, also wie ein Obdachloser daher kommt, Gott zu erkennen. Weil sich dieser ohne Ansehen der Person jedem zuwendet und dadurch die Menschen verändert – eigentlich genau wie Jesus, der ja auch umhergereist ist.
Die Arbeitsblätter und das Begleitmaterial auf der ROM-Ebene richten den Blick in diese Richtung. Natürlich werden die Arbeitsblätter Kindergarten nicht eingesetzt, aber die Impulsfragen in dem Begleitmaterial eigenen sich bereits für Kinder ab 4 Jahren.
  • Ein Apfel für Gott
Die Zusage des Buches lautet klar und deutlich: Gott straft nicht. Obwohl Gretchen Gott durch besondere Gemeinheiten extra auf die Probe stellt, erlebt sie statt erwarteter Strafe dann die Rettung aus Lebensgefahr. Die Leserinnen und Leser ahnen es, das wird Gretchen verändern. In dem achtsamen Pferd hat sie Gottes Handeln erkannt. Ihre Aussage, dass Gott das Pferd ist, ist ein guter Ausgangspunkt für die Diskussion mit den Kindern: denn durch dieses animistische Bild werden die Kinder erkennen, dass Gott natürlich nicht das Pferd ist. Und da sind wir bei der Frage "Wie sieht Gott dann aus; wer ist er und wie ist er?" Das Buch von Hermann Schulz bietet also eine wunderbare Grundlage, um schon mit Kindergartenkindern über Gottesvorstellungen ins Gespräch zu kommen.
Bei allen drei Büchern lassen sich die Bezüge zum 6. Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ aus dem Orientierungsplan (siehe oben beim Seitenanfang) sofort erkennen.
Referat Elementarpädagogik, Heike Helmchen-Menke Referentin für Elementarpädagogik
 
Die DVD ist über das Medienportal kostenfrei abrufbar:
Auch die 16 Religionspädagogischen Medienstellen in der Erzdiözese werden die DVD mit den drei Bilderbuchkinos in den Verleih nehmen:
Kinderbuch zur Frage: Was ist das Wichtigste im Leben (2017)

Quelle: Nord-Süd-Veralg

Was packt jemand in seinen Koffer, der aus seinem Heimatland fliehen muss und den Koffer auf der Flucht herumschleppen muss? Es geht um die Flucht des Philosophen Walter Benjamin vor den Nazis. Im Buch der Autorin und Illustratorin Pei-Yu Chang werden die Judenverfolgung, der Krieg und auch der spätere Suizid des weltberühmten Philosophen nicht thematisiert. Vielmehr geht es um die Frage, was jemand in seinen Fluchtkoffer packt, worüber er sagt: „Es ist mir das Allerwichtigste, wichtiger als mein Leben.“ Und die Geschichte um den schweren Koffer, den der Philosoph die ganze Zeit mit sich getragen hat, veranlasst die Menschen, sich zu fragen, was er mitgenommen haben mag? Papier, auf das er seine genialen Ideen geschrieben hat? Oder Essen, das er in der Fremde vermisst hätte? Eine Geheimwaffe oder doch Marmelade von seiner Oma? Gerade weil keiner weiß, was Herr Benjamin in seinem schweren Koffer hatte, gingen die Diskussionen noch lange weiter. „Und sogar noch bis heute rätseln die Menschen darüber, was Herr Benjamin wohl mit sich getragen hat“. Die Geschichte, die die Autorin selbst in großflächigen, Collage-artigen Bilder illustriert hat, regt intensiv zum Philosophieren und Theologisieren mit Kindergartenkindern an. Ein sehr empfehlenswertes Buch, das die Frage aufwirft, was das Wichtigste im Leben sein kann. Gerade weil das Buch keine Antwort vorgibt, können Kinder ihre ganz eigenen Ideen entwickeln.
Pei-Yu Chang, Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin, Nord-Süd-Verlag Zürich 2017 Nähere Infos beim Verlag:
Referentin für Elementarpädagogik im IRP Freiburg, Dipl. Theol. Heike Helmchen-Menke
 
Fachbuch zum Philosophieren mit Kindern (2017)

Quelle: Lit-Verlag

Der emeritierte Freiburger Philosophieprofessor und Erziehungswissenschaftler Norbert Huppertz und die Pädagogin Maren Barleben haben in ihrem Buch „Freude am Philosophieren. Didaktische Einheiten für Kindergarten und Grundschule“ (Lit-Verlag 2017) die großen Fragen des Lebens in den Blick genommen: Glück, Trauer, Tod und Leben, Werden und Vergehen, den Sinn des Lebens, Zeit oder Glauben und Wissen. Mit ihrem Buch möchten sie pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Kitas und auch Grundschullehrkräfte unterstützen, Kindern in diesen Fragen Orientierung zu geben. Die 21 didaktischen Einheiten zeigen ganz praktische Möglichkeiten, um mit Kindern zu philosophieren. Dafür bietet jede Einheit zunächst eine allgemeine Hinführung zum Thema und dann Reflexionsfragen für die pädagogische Fachkraft. Anschließend wird ein passendes Kinderbuch empfohlen und ein Planungsmodell für die Durchführung mit den Kindern erstellt. Dabei fällt auf, dass der Bereich der religiösen Bildung selbst bei Themen, die vom Orientierungsplan für Bildung und Erziehung eine Orientierung in religiösen Konzepten vorgibt (wie bei z.B. bei Sterben und Tod) ausgespart werden. Dennoch ist es ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Kindergärten. Nähere Infos beim Verlag: http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13572-8
Referentin für Elementarpädagogik im IRP Freiburg, Dipl. Theol. Heike Helmchen-Menke
 
 
 
„Lieber Papst Franziskus … Der Papst antwortet auf Briefe von Kindern aus aller Welt (Verlag Kösel 2016)
 Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ im Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindergärten ist das Philosophieren und Theologisieren mit Kindern als Ziel festgehalten: „Kinder können in ihrem Philosophieren und Theologisieren über das Leben und die Welt verständnisvolle Partner finden“. Ein solcher Partner ist in diesem Fall der Papst, der Fragen von Kindern aus aller Welt beantwortet und damit auch Erzieherinnen und Erzieherin Unterstützung fürs Theologisieren liefert.
 „Wie geht es Dir, wenn Du Kinder ansiehst?“ fragt ein Junge aus Portugal in seinem Brief an den Papst. „Ein Kind zu sehen heißt die Zukunft sehen. Ich verspüre dann eine große Zuversicht, denn jedes Kind in unsere Hoffnung für die Zukunft der Menschheit“, antwortet Franziskus. Und damit wird deutlich, warum er sich Zeit für das Projekt mit den Kinderfragen nimmt. Franziskus gibt Kindern Impulse die ermutigen und die Kinder stärken, sich selbst Gedanken zu machen und auch zu handeln. Seine Antworten auf die Briefe der Kinder sind wie der Beginn zu einem Dialog, den die Kinder, die dieses Buch vorgelesen bekommen, weiterführen können.
 Die Briefe mit den Fragen kommen von Jungen und Mädchen aus Ländern aller Kontinente – aus Italien, Syrien, China, Russland, Peru, den Philippinen, den USA, Australien oder Nigeria. Die Fragen sind mal persönlicher, mal spiritueller oder theologischer oder mal grundlegend allgemeiner Art. Als er gefragt wird „Wie kann der Papst die Konflikte der Welt lösen?“ gibt er freimütig zu „Ich kann nicht alle Konflikte der Welt lösen“ und er ermutigt das Kind „doch Du und ich können versuchen, die Welt etwas besser zu machen“. Ein Kind fragt, ob unsere verstorbenen Verwandten uns vom Himmel aus sehen und der Papst antwortet „ja, da kannst Du sicher sein […] Sie sind gar nicht so fern von uns! Sie beten für uns und kümmern sich liebevoll um uns.“ Auch auf die eher theologischen Fragen geht Franziskus so ein, dass er in kindgemäßer Sprache die schwierigen Sachverhalte darstellt. Als ein Kind fragt, was Gott gemacht hat, bevor er die Welt erschaffen hat, schreibt der Papst davon, dass Gott auch die Zeit, also das Vorher und das Nachher geschaffen hat, als er die Welt schuf und dass Gott vorher „einfach die Liebe war und geliebt hat“. Ein Kind fragt Franziskus, warum Gott die Menschen so geschaffen hat, dass sie sündigen können. Und der Papst hält ein Plädoyer für die Freiheit: „Und frei sein heißt, dass wir uns auch für die Sünde entscheiden können.“ Manche Menschen fühlen sich von der Freiheit überfordert, weil „weil man sie nicht programmieren kann, wie einen Computer“, aber die Freiheit ist „Gottes schönstes und größtes Geschenk an uns.“ Hinter der Frage eines syrischen Kindes, ob die Welt wieder werden kann, wie sie war, erkennt der Papst die Frage, die über den aktuellen Krieg in Syrien hinausgeht. Er sagt, dass Jesus wiederkommen wird und eine neue Zeit anbrechen wird. „Wenn diese Zeit anbricht, wird die Welt nicht mehr sein, wie sie war […] das Leiden wird ein Ende haben. Daher müssen wir dem Leiden mit Hoffnung begegnen.“
Der Papst orientiert sich in seinen Antworten an der Sprache und der Vorstellungswelt der Kinder, die sie in ihren Briefen und Zeichnungen ausdrücken -  und er übersteigt sie gleichzeitig. Daher werden auch begleitendeErwachsene, wie pädagogische Fachkräfte, von den Antworten des Papstes profitieren. Für alle Einrichtungen, in denen inspirierenden Material zum Theologisieren mit Kindern gesucht wird, empfehlenswert.
IRP Freiburg, Referentin für Elementarpädagogik, Diplomtheologin Heike Helmchen-Menke
 
Philosophieren mit Kindern in der Praxis (Hannelore Ils, Lit-Verlag 2016)
„Philosophieren bietet den Kindern eine Plattform, auf der sie sich durch die gemeinsamen Gespräche und praktischen Erfahrungen zu starken widerstandsfähigen Personen entwickeln können. Den Kindern wird Zeit und Ruhe gewährt, sich selbst und die andern über eine philosophische Fragestellung wahrzunehmen und die Welt in ihrer Vielfalt durch die Augen anderer Kinder zu entdecken und zu verstehen“ (S. 16). Besser lässt sich die Intension des Philosophierens in Kindergärten und Kitas kaum ausdrücken. In ihrer Promotionsschrift zeigt die Erzieherin und Sozialpädagogik Dr. Hannelore Ils eindrücklich und kenntnisreich welche Konzepte und Faktoren für das Philosophieren mit Vorschulkindern wichtig sind. Dafür hat die Autorin eine empirische Pilotstudie in Kitas durchgeführt und wissenschaftlich untersucht. Sie bezieht entwicklungspsychologische und pädagogische Konzepte ein und gibt einen Einblick in die Geschichte des Philosophierens mit Kindern. In ihrer Untersuchung spielt besonders die soziale Interaktion der Kinder eine Rolle. Auch die Rolle der pädagogischen Fachkräfte wird untersucht. Die Autorin kommt mit ihrer Studie unter anderem zu dem Ergebnis, dass die „Philosophieren mit Kindern förderlich auf deren Entfaltung sozialer Interaktion, insbesondere auf deren Ausdrucksverhalten, deren Selbststeuerung / Rücksichtnahme, deren emotionale Haltung sowie auf deren philosophische Haltung“ auswirkt (S. 335).
Für die Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften, Erzieherinnen und Erziehern sowie für das Studium der Pädagogik der Frühen Kindheit bzw. der Frühen Bildung ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen!
Nähere Informationen auf der Verlagshomepage hier: http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13383-0