Kirchenraumpädagogik ist im Bereich der religiösen Bildung ein wichtiges Feld. Für Kindertageseinrichtungen bieten Kirchenerkundungen vielfältige Lernmöglichkeiten und auch Möglichkeiten für spirituelles Erleben.
Mit Kindern Kirche entdecken und erleben. Bausteine für Kirchenerkundungen mit KiTa-Kindern (Konstanz November 2013)
Im Dekanat Konstanz hat eine Arbeitsgruppe aus Erzieherinnen, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten hat dazu im November 2013 eine Publikation mit verschiedenen Bausteinen zu verschieden Aspekten von Kirchenerkundungen erstellt: zum Kirchengebäude, zu den Heiligendarstellungen, zum Kreuz, zum Kreuzweg, zum Altar, zum Tabernakel und zu den liturgischen Geräten und Gewändern. Die Bausteine sind gut durchdacht und praxiserprobt. In der Einführung stellen die Autorinnen und Autoren vor, welche Ziele die Kirchenerkundungen haben:
- Kirchenraum mit Kopf, Herz und Hand also mit allen Sinnen zu erschließen
- Lust machen, genauer nachzufragen und „dahinter" zu schauen
- Ruhe zu suchen und zu finden in einem ganz anderen Raum
- ein Gespür für Besonderheit eines sakralen, heiligen Raumes zu bekommen
- eigene religiöse, spirituelle Erfahrungen in der Kirche ermöglichen
- entdecken, dass in einer Kirche Erfahrungen aus vergangenen Zeiten (in Formen, Skulpturen, Bildern und Geschichten) lebendig werden
- vertraut machen mit dem Raum der Gemeinde, die hier Gottesdienst feiert
Die Publikation ist so offen gehalten, dass sie für jede Kirche genutzt werden kann. Sie ist als Ordner gestaltet, sodass eigene Konzepte und Erfahrungen einfach dazu geheftet werden können. Für Erzieherinnen und Erzieher bietet dieser Ordner eine tolle Unterstützung, um auch ohne Vorwissen, mit Kindergartenkindern die Kirche(n) ihres Ortes erkunden und erleben zu können.
Der Ordner kann über das Dekantsbüro Konstanz bezogen werden (14.00 € zuzügl. Porto).
Von der Religionspädagogin Margret Färber ist ein Buch zur Kirchenerkundung mit Kindergartenkindern erschienen: „Wir erleben Gottes Haus. Mit Kindern Kirchenräume entdecken“ (Don Bosco, München 2012). Hier finden Erzieherinnen, wie auch Mitarbeiter von Kirchengemeinden wertvolle Anregungen, um Kinder „Kirchenentdecker“ werden zu lassen. Hier können sich Kinder kreativ und respektvoll den „Schätzen“ in Kirchen nähern. Die Anregungen nehmen Rücksicht auf die unterschiedlichen Zugänge und religiösen Prägungen von Kindern aus religiös pluralen Kindergruppen, wie sie in Kindertageseinrichtungen verbreitet sind. Die Vorschläge der Autorin verwenden vielfältige Methoden, die unterschiedliche Sinne der Kinder ansprechen. Auf diese Weise kann innere Annäherung für Kinder an die christliche Symbolik in Kirchen sehr gut gelingen.
Hinter alten Kirchenmauern. Ein gruppenübergreifendes Projekt
Ein Kindergarten in evangelischer Trägerschaft hat sich beim Wettbewerb „Forschergeist 2014“ zu herausragenden Projekten, die Mädchen und Jungen für die Welt der Naturwissenschaften, Mathematik oder Technik begeistert haben, mit einem Projekt zur Kirchenraumerkundung beworben. Das Projekt wurde Bundes- und Landessieger.
Aus der Projektbeschreibung von Margit zu Brügge, der Leiterin des Kindergartens „Unterm Regenbogen" in Apen: „Die alte Dorfkirche mit ihren rätselhaften Symbolen und geheimnisvollen Türen interessiert die Kinder: Ist das eine Geheimtür? Besteht die Kirche innen aus Gold? Was sind das für Zahlen auf der Tafel? Wozu sind die langen Rohre auf der Empore da? Wie alt ist die Kirche? Wer hat sie gebaut? Entstanden ist ein Generationenprojekt. Jung und Alt gingen gemeinsam auf Entdeckungsreise in die Dorfkirche. Dabei fanden sie auch heraus, wie viel Naturwissenschaften sich hinter den alten Mauern verbirgt: Sie maßen die Höhe der Kirche mit einem Gasluftballon am Faden und erforschten das räumliche Denken. In unterschiedlichen Aktionen erkunden die Kinder das Kirchengebäude und lernen dabei etwas über die christliche Religion.“
Diese Form der Kirchenerkundung stellt keine spirituelle Kirchenraumpädagogik vor, bietet aber einen interessanten Zugang zur Welt der Religion über naturwissenschaftlich-technische Schritte. Im Kindergarten wurde sogar eine Kirche im Kita-Garten nachgebaut. Eltern haben rückgemeldet, dass sie sich, angestoßen durch das Projekt, neu mit dem Glauben auseinandergesetzt haben. Auch die muslimischen Eltern waren dabei und ließen ihre Kinder auch an den Kirchenbesuchen teilnehmen.
Bei solch einem Projekt werden nicht nur Ziele aus den naturwissenschaftlich-technischen Bereich umgesetzt, sondern auch Ziele aus dem Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte und Religion“ des Orientierungsplans.
Das Projekt wird auf der Homepage von „Forschergeist 2014“ in der Dokumentation (PDF) vorgestellt