STICHWORTE B

Beten/Gebet

 
 
Rainer Oberthür: Das Vater Unser, Gabriel Verlag  2013

Der bekannte Aachener Religionspädagoge Rainer Oberthür hat sich unter anderem mit dem Themenbereich „Theologisieren mit Kindern“ einen Namen gemacht. Auch sein Buch über das biblische Gebet Vater Unser regt Kinder und ihre erwachsenen Begleiter zum Theologisieren an. Oberthür beginnt damit, die Kinder, für die er das Buch geschrieben hat, ernst zu nehmen: „Du bist ein Mensch und hast viele Fragen“. Kinder fragen nach der Welt, dem Leben, dem Sinn, dem Tod und sie fragen bei all dem auch nach Gott. Oberthür zeigt die Gottsuche als Suche in der Welt, denn alles kann uns etwas von Gott zeigen.  Der Autor, der auch als Religionslehrer in einer Grundschule wirkt, stellt Jesus vor, als einen Menschen, der etwas von Gott zeigen kann. Auf die Frage, wie kann ich mit Gott sprechen, zeigt Oberthür eine christliche Zusage auf: Wir können mit allem, was uns bewegt zu Gott kommen, „denn Gott ist auch schon immer da“. Als ein Gebet, das auch gesprochen werden kann, wenn die eigenen Worte fehlen, stellt Oberthür das Gebet vor, dass Jesus die Menschen gelehrt hat. Satz für Satz geht der Autor das Vater Unser durch und macht dabei für die Kinder deutlich, dass ihr eigenes Nachdenken über die Zusagen des Christentums gefragt ist.  Die einzelnen Aussagen erschließt Oberthür so, dass immer deutlich wird, dass Gott das Leben schafft und erhält. Auch die Spannung zwischen dem abwesenden und dem nahen Gott kann Oberthür gut vermitteln – Gott ist „hoch über uns und mitten unter uns und tief in uns“ oder  „verborgen bist Du da“. Der Autor zeigt auch, dass Jesus als Jude einige Motive aus dem Gebetsschatz der Juden im Vater Unser verwendet hat.  Für den  Bereich des interreligiösen Lernens öffnet das interessante Perspektiven. Überhaupt kann Oberthür in kindgemäßer Weise zeigen, dass in diesem einen Gebet, die Grundlinien des Christentums zum Verhältnis Gottes zu jedem einzelnen Menschen und zum Zusammenleben von Menschen enthalten sind.  Die Illustrationen von Barbara Nascimbeni ergänzen die Aussagen des Autors und zeigen in freundlichen, teils collageartigen farbigen Bildern Annäherungen zu Kindern von heute. Obwohl das Buch für das Alter der Acht- bis Zehnjährigen geschrieben ist, werden auch schon Kindergartenkinder von den Bildern und einer Aufwahl des wunderbaren Textes profitieren können. Das ganze Buch wird auch pädagogischem Fachpersonal dieses wichtige Gebet neu eröffnen.

Heike Helmchen-Menke

Steinkühler Martina: Die Geschichte vom guten König. Das Vaterunser (Ostfildern 2015)

 Das christliche Grundgebet Vaterunser  für Kinder in einer Geschichte erschlossen

Märchen und Geschichten beginnen oft mit „Es war einmal …“. Martina Steinkühler, Professorin für Gemeindepädagogik an der ev. Hochschule Berlin, hat einen originellen Zugang zum christlichen Grundgebet geschaffen. Auf jeder Doppelseite steht ein Gebetssatz aus dem Vaterunser. Darunter wird eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Von einem König, der wie ein wunderbarer Papa für viele, viele Kinder war (Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.). Die Protagonisten in dieser Erzählung sind Tiere: Gänse, Bären, Schafe, Eichhörnchen. Einmal wird auch ein menschlicher Hirte gezeigt, der ein verlorenes Schaf gefunden und in die Arme geschlossen hat. Sie alle, „wo sie auch waren, in ihren Höhlen und Nestern, Löchern und Häusern: Er (Gott) hatte sie lieb.“ Der Himmel wird im Bild eines Gartens erschlossen, in dem der König bzw. der Vater mit den Kindern tobt und spielt und in dem alle Lebewesen Frieden halten. Unter dem Satz „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ wird vom Gedrängel unter den Flügeln des Vaters erzählt, vom Verknicken der Flügel und vom Weglaufen. „Aber eigentlich war Platz für alle … und immer, wenn eines, das weggelaufen war, zurückkam, dann wartete der König schon. Und Papas Arme waren warm und weich und gerade richtig zum Kuscheln“. Die Kinder und auch begleitende Erwachsene werden sich manchmal fragen, ob der Bärenvater in der Geschichte Gott darstellt, aber dann ist es die Gans, die alle unter ihre Fittiche nimmt, oder es wird der Hirte gezeigt, der das Schaf im Arm hält. Auf diese Weise gibt es keine Festlegung. Die Kinder werden angeregt, sich selbst Gedanken zu machen, was das Vaterunser über Gott aussagt, wie er ist und wie er sich den Menschen zuwendet.

Es ist ein Buch zum Mitwachsen. Wenn Kinder dieses Buch über einen längeren Zeitraum immer wieder in die Hand nehmen können, so wird sich ihnen immer mehr von den christlich-biblischen Gottesvorstellungen eröffnen. Das Buch bietet durch die Erzählung unter den Gebetssätzen wunderbare Sprachbilder, die die Kinder in ihre religiöse Gedankenwelt einbauen und diese damit weiterentwickeln können. Auch für die begleitenden Erzieherinnen und Erzieher bietet dieser Gebetszugang die Möglichkeit, sich neu mit den biblischen Ursprüngen des Gebetes auseinanderzusetzen.

Die farbenfrohen und lebendigen Illustrationen von Anne Fröhlke ergänzen die Texte auf eine wunderbare und kindgemäße Weise. Das Buch ist für Kinder ab drei Jahren geeignet und ist eine große Bereicherung für den Bücherfundus einer jeden Kita.

Heike Helmchen-Menke