Die Beiträge wollen Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie Lehrende präventiv ihre Gesundheit erhalten und lange lehren können, sowohl schulbezogen als auch religiös-spirituell.
Es ist eine bekannte und von verschiedenen Untersuchungen belegte Tatsache, dass Lehrerinnen und Lehrer – im Vergleich zu anderen Berufen – besonderen
Belastungen ausgesetzt sind. Die Faktoren, die schulische Lehrkräfte krank machen können, sind vielschichtig. Sie wurzeln in hohem Maße im komplexen Beziehungsgeschehen von Unterricht und Schule mit all seinen Akteuren.
Dies ergab in jüngster Vergangenheit eine von der Bundesregierung unterstützte Untersuchung an ca. 1000 Lehrkräften in Baden-Württemberg, durchgeführt von Medizinern der Freiburger Universitätsklinik um Professor Dr. Joachim Bauer und Dr. Thomas Unterbrink. Sie machte u.a. den starken gesundheitsschädigenden Einfluss von negativen Störungen im Beziehungsgeflecht von Lernenden, Lehrenden und Eltern deutlich. Im Klartext heißt das: Verbale und nonverbale Feindseligkeit und Beleidigung, Aggression und Gewalt in Klassen- und Lehrerzimmern sowie in der Begegnung mit Eltern stellen ein massives Problem dar, von dem zwar zahlenmäßig vorrangig Kolleginnen und Kollegen in den Hauptschulen betroffen sind, in berufl ichen Schulen und Gymnasien ist dies aber gleichfalls virulent.
Wie bereits die Freiburger Studie, so wollen auch die in diesem Heft vorliegenden Beiträge nicht dabei verharren, den status idem zu beklagen. Vielmehr wollen sie Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie Lehrende präventiv ihre Gesundheit erhalten und lange lehren können – ganz praktisch schulbezogen (vgl. Beiträge von Schaarschmidt, Unterbrink und Disch), aber auch religiös spirituell (vgl. Beitrag Mehlmann). Dies beginnt mit der Einsicht in die eigene Persönlichkeitsstruktur und der Analyse des Beziehungsgeflechts einschließlich des zum Verstehen notwendigen Perspektivwechsels. Es mündet in dem, was uns als Religionslehrerinnen und Religionslehrer erdet, dem Evangelium, das, wie Elisabeth Neuhaus es einmal beschrieb, von der Maxime Gottes im Umgang mit uns erzählt – der Liebe. Auf sie sind wir zugleich verpflichtet und von ihr wissen wir uns getragen, in dem, was uns zugemutet wird, aber auch in unserer eigenen Unzulänglichkeit.
Neben diesem Schwerpunktthema würdigt die vorliegende Ausgabe in besonderer Weise das Leben und Werk von Kardinal John Henry Newman (1801-1890), der als Wegbereiter des modernen Katholizismus gilt und am 19. September diesen Jahres von Papst Benedikt XI. selig gesprochen wurde. Die Beiträge unterstreichen, was der Papst anlässlich seines Englandbesuchs betonte: Biografisch wie theologisch lohnt es sich, John Henry Newmann im Religionsunterricht lebendig werden zu lassen und mit ihm zusammen zentrale Fragen christlicher Ethik und christlichen Glaubens der Gegenwart anzugehen. Hierzu geben die Beiträge von Biemer, Geißler, Ott, Ruf und Weinzierlentscheidende Hintergrundinformationen und praktische Unterrichtsbeispiele.
Die Herbstsausgabe 2/2010 ist im IRP-Shop unter der Artikel-Nr. 7107 zu erwerben.