Unterrichtspraxis: Jesus gegen Christus

Auch 1700 Jahre nach dem Konzil von Nicäa werden (nicht nur) in Klassenzimmern der beruflichen Schulen christologische Fragen diskutiert: Wer war dieser Jesus von Nazareth, ist er nur ein Mensch aus Nazareth oder gar Sohn Gottes?
 
Die Herder Korrespondenz hat 2025 eine Spezial-Ausgabe mit dem Titel Jesus gegen Christus. Neues vom Menschen aus Nazareth herausgegeben und widmet sich aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Person Jesus.

In diesem Sonderheft finden Sie insgesamt 23 Beiträge unterschiedlicher namhafter Autor*innen.
Beispielhaft stelle ich im Folgenden zwei Artikel vor, die Ihnen interreligiöse Impulse für den Unterricht bieten.
von Jehoschua Ahrens
 
von Lejla Demiri
 
Im Bildungsplan der Beruflichen Schulen widmet sich die Bildungsplaneinheit 2 den Themenbereichen Gott und Jesus Christus. Hier finden sich auch interreligiöse Anknüpfungspunkte. Auf der Grundlage theologischer Expertise zu Jesus als Messias und seiner Reich-Gottes-Botschaft, kann beispielsweise im VIP-Bereich vertiefend danach gefragt werden, welche Bedeutung Jesus in anderen Religionen zukommt.
 
Ein Retter für die Heiden: Jüdisch-theologische Perspektiven auf Jesus
Das orthodoxe Judentum diskutiert die theologische Bedeutung Jesu schon sehr lange. Um den theologischen Status Jesus im Judentum zu verstehen, kann exemplarisch auf unterschiedliche rabbinische Sichtweisen auf Jesus eingegangen werden. Der Beitrag von Oberrabbiner Jehoschua Ahrens ist ein anspruchsvoller Text, der im Unterricht erst dann zum Zuge kommen sollte, wenn wesentliche theologische Inhalte wie Jesus als Messias, Trinität oder das Dokument von Nostra Aetate behandelt wurden. Falls er für die Lernenden zu schwierig sein sollte, ist der ausgewählte Beitrag für Lehrkräfte sehr gut geeignet (auf nur zwei Seiten) ein kompaktes Wissen zur jüdischen Perspektive auf Jesus zu erhalten.
 
Mögliche Arbeitsaufträge
1.      Rambam lehnt die messianische Bedeutung für Jesus ab und kategorisiert das Christentum als Awoda Sara:
A: Erklären Sie, was es bedeutet, Jesus als Messias zu verstehen.
B: Definieren Sie den Begriff Awoda Sara und erklären Sie mit Hilfe dieses Begriffs die theologische Herausforderung, die Rambam in dem Glauben an Jesus als Messias, sieht.
2.      Erläutern Sie, warum Rabbenu Tam die Christologie nicht als Awoda Sara verstanden hat.
3.      Arbeiten Sie mit Hilfe des Textes heraus, welche theologische Bedeutung der deutsche Rabbiner Jacob Emden Jesus beigemessen hat.
4.      Zeichnen Sie nach, welche weiteren rabbinischen Positionen es im 20. Jahrhundert gab.
5.      Erläutern Sie die Bedeutung von Nostra Aetate für den jüdisch-christlichen Dialog.
 
 
 
Einfach menschlich. Eine islamische Perspektive auf Jesus
 
Die Sichtweise auf Jesus ist im Religionsunterricht nicht nur aufgrund der interreligiösen Schwerpunktsetzung im Bildungsplan relevant. Gerade in den Beruflichen Schulen sind auch muslimische Schüler*innen Teil der Klassengemeinschaft und oft sitzen auch muslimische Schüler*innen im Religionsunterricht.
Der vorliegende Beitrag erhellt die islamische Perspektive auf Jesus und seine Bedeutung im Koran und Hadith und fördert auf diese Weise den Dialog und die Sprachfähigkeit der Lernenden. Auch dieser zweite Beitrag ist verhältnismäßig anspruchsvoll für die Oberstufe des Beruflichen Gymnasiums. Falls er für die Verwendung des Unterrichts zu schwierig sein sollte, kann er für Lehrkräfte als Hintergrundwissen sehr dienlich sein.
 
Mögliche Arbeitsaufträge
1.      Erklären Sie, was unter dem Begriff Prophet zu verstehen ist.
2.      Erläutern Sie die im Text dargestellte Beziehung zwischen Mohammed und Jesus.
3.      Arbeiten Sie die Aussagen zu Jesus im Koran heraus.
4.      Erläutern Sie, wie der Islam zur Inkarnation und Göttlichkeit Jesu steht.
 
Weitere Ideen zu Jesus außerhalb des Sonderheftes:
 
In unserer Veröffentlichung RiS 11/12 bietet die von Angelika Scholz konzipierte Einheit zur ibK 3.5.4(3) Jesus Christus im Material 1 (Print ab S. 54, Online-Material ab S. 165) eine originelle Form der Auseinandersetzung mit dem Konzil von Nizäa an: Die Schüler*innen arbeiten mit entsprechenden Bibelstellen und nehmen Stellung, ob Jesus Gott oder Mensch ist. Sie setzen sich mit den Positionen von Arius und Athanasius auseinander und führen deren Streitgespräch in einem Rollenspiel auf. Anschließend suchen sie einen Lösungsvorschlag und vergleichen diesen mit dem nicäo-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis. Dabei üben sie sich im Theologisieren und durchdringen die theologische Problematik des Streits.