Die einst kleine Siedlung prosperiert, mausert sich zur selbstbewussten Stadt und legt vermutlich um das Jahr 1200 den Grundstein für das Münster, dessen Bau Architekten und Bauleute über Jahrhunderte herausforderte und – so ist anzunehmen – auch mit Stolz erfüllte und bis heute erfüllt.
Anlass genug also, sich mit unserer Bischofskirche zu beschäftigen, diesem wunderbaren Bauwerk samt Turm, von dem der Kunsthistoriker Jacob Burckhardt behauptete, er bleibe wohl der schönste Turm der Christenheit.
Aber nicht nur damit. Wenn, wie die Stadt, auch sein Münster auf gutem Grund gebaut ist, dann kommt unweigerlich ein theologisches Sprachbild ins Spiel, mit dem der Apostel Paulus grundsätzliche Koordinaten des Christentums festlegt. In 1 Kor 3,10f spricht er davon, dass er, Paulus, zwar den Grund gelegt hat, der eigentlich tragende Grund aber sei Jesus Christus. Zugleich weiß Paulus auch um die geschichtliche Kontingenz seines Bauens, das durch andere fortgeführt wird. Christus als Grund aber bleibt. Die Treue diesem Fundament gegenüber ist das entscheidende Kriterium für die Kirche. So dient der Blick in die Vergangenheit der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft. Kirchengeschichte dient keinem Selbstzweck, sondern der Orientierung für grundlegende Weichenstellungen.
Dieser Gedankengang durchzieht die im Druck befindliche Ausgabe, ganz gleich, ob es um die Zukunft der Kirche geht, um vergangene Klostergründungen in und um Freiburg, um die diözesane Geschichte oder das christlich geprägte Europa und darum, wie das alles in den Bildungsplänen verankert ist. Das gilt auch für die Beiträge zu Ludwig van Beethoven, Hildegard von Bingen, zum Freiburger Münster selbst oder zur unterrichtlichen Auseinandersetzung mit Kirche.
Der Verband katholischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer in der Erzdiözese Freiburg (VKRF) ist ein wichtiger Partner für unser Institut, insbesondere bei der Vorbereitung und Durchführung der Jahrestagungen für berufliche Schulen und allgemeinbildende Gymnasien in Rastatt. Die beiden Vorsitzenden Simon Lienhard und Valentin Schneider haben sich im Herbst 2019 aus der Vorstandsarbeit verabschiedet. Ihnen danken wir an dieser Stelle besonders für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Anlässlich des 900jährigen Jubiläums zeigt das Karl Rahner Haus bis in den Herbst hinein unter dem Titel Blicke eines Unbekannten auf Münster und Stadt. Freiburg 1912–1967 eine umfangreiche Ausstellung zum Werk von Bruno Schley, dessen Œuvre begleitend auf youtube vorgestellt wird.
Der gute Grund, der in Christus Jesus gelegt ist, trägt auch in Zeiten, in denen die Unverfügbarkeit des Lebens besonders drastisch vor Augen geführt wird. Darauf weiterzubauen, das ist unsere Aufgabe als Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Die Beiträge dieser Ausgabe wollen Sie dabei unterstützen.